Mein wahres Leben: FrauTV: Miss Perfect

Freitag, 28. März 2014

FrauTV: Miss Perfect

Am Donnerstag, dem 27. März 2014 wurde der Beitrag Miss Perfect – woher kommt der weibliche Perfektionszwang in frauTV gesendet.

Es ist unbestritten, dass es diesen Perfektionszwang gibt. Aber jede Frau wird ihn unterschiedlich spüren und jede Frau wird auch anders versuchen, ihn zu erfüllen. So wird es einer Frau fast egal sein, ob sie perfekt ist oder nicht, zumindest findet sie sich damit ab, wie sie ist und eine andere wird alles versuchen, einem Ideal nahe zukommen.

Männer stehen nicht unter dem Zwang, besonders schön und sexy zu sein. Aber stehen sie nicht auch unter einem Druck, der verlangt besonders männlich zu sein, Erfolg und Kraft zu haben, für die Familie zu sorgen und natürlich den Handwerker zu Hause zu ersetzen und mehr?

Dass Mayk das alles so empfindet, ist mir schon klar. Aber Mayk ist transident. Damit fühlt er als Mann. Er ist aber im Körper einer Frau geboren. Damit hat er Jahrzehnte versucht, auch das zu tun, was von ihm erwartet wurde – eine Frau zu sein. Da er aber keine Frau ist, empfindet er den Erwartungsdruck, attraktiv und modebewusst zu sein, besonders stark. Natürlich möchte er versuchen, es allen recht zu machen und das zu sein, was von ihm erwartet wird. Aber als Mann ist das eine Qual.
Erst als er selbst erkennt, dass er ein Mann ist und den nicht einfachen Weg der Transition geht, braucht er den Zwang, als Frau schön und attraktiv zu sein, nicht mehr nachzugehen. Als Mann wird das von ihm nicht erwartet. Dafür muss er aber sich der männlichen Geschlechterrolle entsprechen verhalten. Das erwartet die Gesellschaft von ihm. Aber als Mann ist es natürlich viel einfacher für Mayk, diese Rolle auch zu erfüllen. Damit ist für ihn der Erwartungsdruck nicht mehr spürbar. Er verhält sich jetzt einfach so, wie er sich fühlt und das macht ihn glücklich.

Wenn ich das jetzt mit mir, als Transfrau vergleiche, ist es nicht umgekehrt genau so. Von mir wurde erwartet, dass ich meine Rolle als „Mann“ auch entsprechend einnehme. Da ich körperlich auch männlich war, habe ich das fast mein ganzes Leben versucht. Es ist mir auch weitgehend gelungen, aber hat unwahrscheinlich viel Kraft gekostet. Und um diesen Erwartungsdruck zu erfüllen, habe ich versucht, dass zu sein, was ich nicht bin und das hat mich krank gemacht. Erst als ich mir selbst eingestanden habe, eine Frau zu sein und auch so zu leben, war dieser Druck weg. Im gewissen Sinn habe ich jetzt auch einen Perfektionszwang besonders feminin und schön zu sein. Aber dieser belastet mich nicht, sondern macht mir sogar Spaß. Und solange ich weiß, wie „perfekt“ ich mit relativ einfachen Mitteln sein kann, ohne übertrieben und meinem Alter entsprechend zu wirken und nicht in einem krankhaften Schönheitswahn verfalle, ist das auch so in Ordnung.

In der Sendung haben mir als Vergleich noch normale Frauen gefehlt, die über diesen Perfektionszwang berichten.

Ich würde mich freuen, wenn hier noch ein paar Frauen, Transmänner und Transfrauen ihre Meinung kundtun würden, wie sie einen Perfektionszwang empfunden haben, egal in welcher Richtung der ging.

Eure Andrea

Kommentare:

  1. hallo Andrea!
    Ich habe auch vor der Transition diesen Perfektionsdruck nie auf mich bezogen, weil ich mich nie gemeint gefühlt habe. Habe also auch nie versucht, eine möglichst perfekte Frau zu spielen oder so etwas. Ich galt eher als seltsame, "freakische" Frau.
    Daher bezieht sich meine Meinung zu dem Thema weniger auf meine Erfahrungen vor der Transition als auf Erfahrungen im Kontakt mit anderen Menschen, Männern und Frauen.
    Und von allem was ich von anderen weiß, plus aus kleinen Beobachtungen, schließe ich, dass es diesen Druck für Frauen vielmehr gibt als für Männer.

    Zum einen gibt es diese ganz starke Bewertung von Frauen nach ihrem Äußeren, und ich kenne keine, an der das völlig spurlos vorbei geht. Das allerallgemeinste, was man feststellen kann, es gibt für Frauen sehr genau definierte Idealmaße (seien es Brustgröße, Körpergröße, Bauchumfang, Po, Konfektionsgröße), für Männer hingegen gibt es das fast nicht. Für Heteromänner sogar praktisch gar nicht. Damit einhergehend gibt es eine sehr starke Konkurrenz zwischen Frauen, und zusammengenommen ergibt das, dass selbst sehr selbstbewusste Frauen, die ich kenne, hochempfindlich reagieren auf Kritik an ihrem Aussehen oder mißtrauisch äugen, ob andere Frauen ihrem Partner (in einer Heterokonstellation) nicht doch besser gefallen. Während Männer Kritik an ihrem Aussehen, wenn es Kleidung betrifft, sogar begrüßen, weil es als wohlwollender Tipp, wie mans besser machen kann, aufgefasst wird.

    Dann: als Mann wird dir viel seltener die Kompetenz abgesprochen, auf dein Wort wird mehr Gewicht gelegt. Ich bin als Mann lebend nicht mehr die seltsame Ausnahme, wenn ich mich in Diskussionen viel zu Wort melde. Meiner Beobachtung nach sind Frauen sehr oft in einem Dilemma gefangen, dass wenn sie sich zurückhalten, werden sie überhört, und wenn sie sich nicht zurückhalten, gelten sie als seltsam.

    Du schreibst in deinem Blog sinngemäß, Mayk würde die Situation für Frauen vielleicht härter einschätzen, weil er ja keine war und demnach keine Freude an der Rolle empfunden hat. (oder interpretiere ich da grad zuviel rein?) Ich glaube eher, vielleicht ist sogar das Gegenteil der Fall, vielleicht ist es für Frauen komplizierter, eben weil sie an Teilen ihrer Rolle ja auch große Freude haben, und sie deshalb mit vielen Widersprüchen konfrontiert werden. ZB "Immer nach dem Aussehen bewertet werden ist mit, aber es macht ja auch soviel spaß, das Spiel mit der Mode." Sie haben nicht den Ausweg einer Transition, weil sie ja Frauen sind, also müssen sie sich irgendwie mit dieser Rolle arrangieren und innere Konflikte irgendwie kitten.

    Du schreibst außerdem
    "Männer stehen nicht unter dem Zwang, besonders schön und sexy zu sein. Aber stehen sie nicht auch unter einem Druck, der verlangt besonders männlich zu sein, Erfolg und Kraft zu haben, für die Familie zu sorgen und natürlich den Handwerker zu Hause zu ersetzen und mehr?"

    Ich würde sagen, bei Männern ist es alles etwas relativer und es gibt mehr Fluchtwege, die mit in die Rolle eingebaut sind. "Er ist halt ein großes Kind" beispielsweise. Wird gerne verwendet, wenn Männer bestimmten Erwartungen nicht entsprechen, sei es Verantwortung zu übernehmen, sofern eine Familie mit Frau und Kindern vorhanden sind, erfolgreich zu sein u.ä. Wenn man nicht so handwerklich begabt ist, oder unpraktisch, dann ist man halt "der zerstreute Professor". Hat man keinen schlanken Körper, ist man eben der "Kuschelbär". Kann man sich nicht so gut ausdrücken, ist man ein "Mann der Tat". Es gibt zahlreiche solche Redensarten, die Schwächen bei Männern überspielen, und die ausdrücken, dass es verschiedene Grund- Rollen gibt, denen man als Mann entsprechen kann und die man nicht alle erfüllen muss. Für Frauen fällt mir keine einzige Redensart ein, die dieselbe Funktion hat. Insofern gibt es auch weit mehr Freiräume für Männer.

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    1. Danke für Deine Meinung zu dem Thema.

      Ich gebe Dir recht, dass der Perfektionsdruck nach einem schönen Äußeren mehr oder weniger nur für Frauen zutrifft. Aber dass Frauen öfters die Kompetenz abgesprochen wird, nur weil sie „Frau“ sind, kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. Das liegt meiner Meinung nach mehr an den Eigenschaften einer Person. Da Frauen bedingt durch ihre Erziehung und wahrscheinlich auch weil ihre Gehirne anders „ticken“ eher zurückhaltender und weniger aggressiv sind, halten sie sich auch eher zurück und werden dann auch schneller überhört bzw. kommen kaum zu Wort. Ich selbst habe nun mal etliche Jahre als Mann gelebt und da ging es mir genauso. Ein Gegenüber merkt das im Unterbewusstsein ganz schnell und hat dann seine Macht ausgespielt, dem ich im Allgemeinen nichts entgegenzusetzen hatte. Jetzt als Frau lebend, habe ich mehr Selbstbewusstsein, und kann mich, zumindest gefühlt, mehr durchsetzen und meine eigene Meinung sagen, als früher.

      Dass Mayk die Situation härter einschätzt glaube ich, weil er als Mann eine Rolle spielen musste, die nicht zu ihm gepasst hat. Aber Du kannst natürlich auch recht haben, weil er sich ohnehin nicht mit der Rolle als Frau identifiziert hat, war es ihm mehr oder weniger egal und damit nicht so belastend. Dazu kommt vielleicht noch, dass die Belastung in einem falschen Körper zu stecken, viel größer ist, als ein Perfektionsdruck.

      Du schreibst außerdem, dass Frauen auch viel Spaß am Spiel mit der Mode haben. Das sehe ich auch so. Mir macht es einfach Freude mich schick anzuziehen und schön zu machen (versuche ich zumindest). Und das nimmt meiner Meinung auch was von diesem Druck. Und es kommt immer darauf an, ob man diesen Druck auch zulässt. Da ist jede Frau wahrscheinlich anders veranlagt.

      Dass Männer mehr Fluchtwege haben, glaube ich auch nicht. Sie nutzen sie nur häufiger und selbstverständlicher als Frauen und es wird ihnen meistens verziehen. Frauen sind da irgendwie eitler, sie zu benutzen. Frauen wollen eher Erwartungen erfüllen.

      Nur eines können und wollen Männer nicht – in eine weibliche Ecke gestellt zu werden. Das ist noch historisch im Unterbewusstsein verankert, Männer sind die „Herren“. Und die „mehr Freiräume“ nehmen sie sich einfach selbst.

      Liebe Grüße
      Andrea

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    2. hallo Andrea,

      Das mag sein, dass das auch mir reinspielt, dass Frauen eher Erwartungen erfüllen wollen. Das widerspricht aber gar nicht unbedingt dem, was ich schrieb, ich sehe das eher als Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Erwartungen erfüllen wollen ist ja bereits ein Teil der Frauenrolle, ist das nicht bereits ein Zeichen, dass diese enger abgesteckt ist? Ich finde, es gibt sehr viel weniger Rollenmodelle für Frauen als für Männer. Und wenn man aus irgendeinem Grund als Frau keine Lust hat, das Schönheitsspiel oder andere Kernaspekte der Femininität in dem Umfang mitzuspielen wie erwartet, dann ist das oft schon ein Frontalzusammenstoß mit den möglichen Identitätsfolien. (während Mannsein hauptsächlich eine Kernrollenanforderung hat, nämlich nicht feminin zu sein, sonst wird es schwierig. Alles andere ist breit gefächert.)

      Janus (von dem auch das erste Kommentar ist)

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    3. Danke Janus

      Ja, Erwartungen spielen eine große Rolle. Aber will man die nicht in jeder Rolle erfüllen? Ich glaube, um so eher einem die Rolle zusagt, um so eher will man sie erfüllen. Das gilt auch für die Männerrolle, nur da sind die Erwartungen eben anders. Anders herum, gefällt einen die Rolle nicht, dann resigniert man entweder und einem ist egal, ob man diese Rolle erfüllt oder nicht oder man steckt alle Kraft in die Erfüllung dieser Rolle. Aber irgendwann ist diese Kraft zu Ende.
      Vor ein paar Tagen habe ich gerade mit einer Transfrau telefoniert, die sogar freiwillig in Afghanistan gedient hat, aber dann doch zu dem Schluss kam, den Weg der Transition zu gehen.

      Ob es nun mehr Rollenmodelle für Frauen oder Männer gibt, lässt sich meiner Meinung nach schlecht beurteilen. Es kommt immer auf die Perspektive an, aus der man das betrachtet. Wenn man in einer falschen Rolle lebt, gibt es nicht viele Fluchtwege, außer die Polle zu tauschen.
      Jemand, dem es schwer fällt in seiner zugewiesenen Rolle zu leben, wird immer wenige Fluchtwege sehen.

      LG Andrea

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    4. Andrea hat geschrieben:
      Ob es nun mehr Rollenmodelle für Frauen oder Männer gibt, lässt sich meiner Meinung nach schlecht beurteilen. Es kommt immer auf die Perspektive an, aus der man das betrachtet. Wenn man in einer falschen Rolle lebt, gibt es nicht viele Fluchtwege, außer die Polle zu tauschen.



      Letzteres ist richtig. Das habe ich schon mitbedacht. Lebt man im für einen falschen Geschlecht, gibt es genau null Fluchtwege innerhalb des falschen Geschlechts, nur den einen raus. (Transition) Daher hast du als Frau erstmal keinen Nutzen davon, wenn ich dir sage, man hat mehr Möglichkeiten und Fluchtwege, wie ichs genannt habe, als Mann. Ich glaube aber, dass das so ist, und das es dabei nicht meinen Blick verstellt, dass ich Transmann bin, und das Leben "als Frau" für mich nicht zu führen war. Für andere Menschen ist es führbar, und mein Eindruck ist, Frauen erleben die größeren Einschränkungen und Schwierigkeiten, den größeren Druck in ihrer Geschlechterrolle als Männer. Die Anhaltspunkte, die ich dafür sehe, nannte ich ja schon.

      Einen schönen Sonntagabend!

      LG Janus

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  2. Hallo Andrea,
    ja für Transmänner die nicht schon früh die Kraft und Erkenntniss haben das sie sowieso keine Frauen sind ist dieser Perfectionszwang extrem heftig, wobei hier die Herkunftsfamilie und auch das Umfeld die entsprechenden Vorgaben zum "gesellschaftlich vorgegebenem perfekte Frau" ausweitet. Ich hatte solange ich versuchte der zugewiesenen aber nicht empfundenen Geschlechtsrolle entsprechend zu leben immer Probleme damit den Anforderungen nicht entsprechen zu können, ich war immer auf der Suche nach einer zumindest akzeptierten "Rolle" wobei ich mit dem "Muttersein" zumindest Zeitweilig in den Bereich der "perfekten Mutter" kam, aber sonst gelang mir das nie. Seit ich als Mann leben kann habe ich da keine Probleme mehr mit, ich definiere mich als das was landläufig als "langhaarig Bombenleger" bezeichnet wird, wo ich also durchaus einige sonst eher als "weiblich angesehene Verhaltensweisen" zeigen darf, aber trotzdem als Mann gesehen werde. Mir geht es damit gut und ich lasse mich gern in diese "Rollenschublade" stecken, ja ich bezeichne mich sogar selbst so - einfach weil es paßt. Zumal ich ja sogar ein "später Zivi" bin ich mache gerade einen BFD (Nachfolger für Zivis, auch über 27jährigen möglich)...
    liebe Grüße,
    Frank (du weißt sicher welcher Frank ;) )

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    1. Hallo Frank,

      danke und natürlich weiß ich welcher Frank da geschrieben hat.

      So wie Du das geschrieben hast, sehe ich das auch, zumindest wenn man versucht, dieser Rolle gerecht zu werden. Erst wenn man das nicht mehr will oder erkennt, das diese Rolle falsch ist und versucht, in der passenden Rolle zu leben, ist der Druck weg.

      So, wie Du dich zumindest einigermaßen in der Mutterrolle wohlgefühlt hast, ergeht es vielen Transfrauen, die in der Vaterrolle eine gewisse Druckminderung erfahren, was aber meist nicht von Dauer ist.
      Wenn ich oft höre: „Wenn Du dich als Frau fühlst, warum hast Du dann Kinder gezeugt?“ (oder umgekehrt, Kinder geboren), kann ich nur sagen, das hat nichts mit der Rolle zu tun, sondern einfach damit, dass Kinder und die Liebe zu ihnen was wunderbares sind, egal ob als Vater oder Mutter und dieses schöne Gefühl gibt einen Kraft und hilft, andere Probleme zu vergessen.

      LG Andrea

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